Sid Meier’s Civilization V: Rundenbasierter Süchtigmacher mit viel Liebe zum Detail Review/Guide

Veröffentlicht am 1 Aug 2014 - 8:32pm von Axel Dockhorn
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Ahmad al-Mansur, Sultan der Marokkaner, sieht am Ende seines langen Weges auf sein Lebenswerk zurück. Die arabische Hauptstadt Marokko feiert heute ihr 6000 jähriges Bestehen. Die Hochgewachsenen Gebäude werden nur noch von der Spitze des Eiffelturms und den Sandsteinfarbenen Flächen der Pyramiden von Giz… pardon, Marokko überschattet. Das Marokkanische Reich, welches große Teile des Amerikanischen Kontinents überspannt, ist geprägt von Kultur und Wohlstand… und dem Stolz, als erstes Land ins Weltall gestartet zu sein.

Klingt anders als im Geschichtsunterricht gelernt? In Civilization V ist so gut wie alles möglich. Warum fragen, was wäre wenn Deutschland den 2. Weltkrieg gewonnen hätte? Frag lieber, was passiert wäre, wenn Indien den Sieg durch einen vorzeitigen Nuklearschlag errungen hätte, denn das kann in diesem Spiel nur zu schnell passieren…

 

civilization-v

 

Nachdem Sid Meier zusammen mit MicroProse und Firaxis Games mit dem 4. Teil der erfolgreichen Civilization Reihe die Messlatte für andere Strategiespiele sehr hoch gehangen hat, lief er mit Civilization V noch einmal Vollgas und übersprang die hochgesetzten Erwartungen der Vorgänger. Insgesamt kommt man mit dem Hauptspiel, den beiden großen Add-ons „Brave new world“ und „Gods and Kings“ sowie ein paar nur auf Steam erhältlichen kleineren Add-ons auf insgesamt 43 spielbare Zivilisationen, welche alle eine eigene Spielweise benötigen, sowie auf zahlreiche Welt- und Naturwunder, Forschungen, Politiken und noch vielem mehr.

Civilization, was ist das überhaupt?

Spieler, die sich für Strategie Spiele interessieren werden früher oder später auf den Titel Sid Meier´s Civilization stolpern. Das riesige Konzept sowie die Komplexität und die Möglichkeiten schnell zusammenzufassen fällt schwer. Der erste Teil erschien 1991 für MS-DOS und prägte folgende Rundenbasierte- und Globalstrategiespiele beträchtlich. Es gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Spiele aller Zeiten, und seine Nachfolger hinken ihm in Einfallsreichtum und Anerkennung in keinem Fall hinterher.

Das Grundprinzip bleibt jedoch immer das selbe: Man startet in grauer Vorzeit, nur mit ein paar Siedlern, die gerade genug ausgebildet sind, um den Boden mittelmäßig zu bestellen, um ihr Fortbestehen zu sichern. Hat man sich jedoch erst einmal ein kleines Dorf gebaut wird einem Zugang zu Technologiepunkten gewährt. Mit diesen können wir Technologien erforschen, die uns helfen, unsere Stadt wiederum weiter zu vergrößern. Klingt einfach? Dann warte, bis solche Sachen wie Politik, Handel, Religion, Ideologien und und und dazu kommen. Wir dürfen natürlich auch nicht vergessen, dass wir nicht allein auf dieser Erde leben. Und die anderen heranwachsenden Reiche warten nur auf die Gelegenheit, sich das Land und die Schätze des Reiches unter unserer Kontrolle anzueignen…

Einen Blick hinein werfen

Civilization V ist gefüllt mit verschiedenen Möglichkeiten, das Spiel zu spielen. Ob wir nun die Welt unterjochen, ins Weltall fliegen, oder uns friedlich durch Tourismus und Handel die ganze Welt einverleiben.

Allerdings ist gewinnen in diesem Spiel gar nicht so wichtig. Eine gute Partie kann sehr lange gehen, besonders wenn man den Zeitsieg ausgestellt hat, in dem das Spiel im Jahre 2050 endet. Man bekommt eine schon fast liebevolle Beziehung zu seinem Reich, wenn man es über 5 Stunden lang aufbaut, Handel und Verträge mit anderen Reichen abschließt, da stört die minimalistische Spielgrafik nicht.

 

Rom 1

Das kleine Dorf, welches von den Siedlern gegründet wird, wird später einmal als Römisches Reich über die Welt herrschen.

Wir schreiben das Jahr 4000 vor Christi Geburt. Eine Gruppe von Siedlern beginnt, an der Küste eine Dorf aufzubauen, das später einmal als Rom bekannt der Nabel der Welt sein wird. Das kann so recht noch niemand von uns glauben, besonders wir nicht, Augustus Cäsar, der Anführer der Siedler Gruppe. Das unser geschichtlicher Vater erst in 3900 Jahren geboren wird, übergehen wir hier einfach mal.

Wenn wir uns umsehen, können wir Elefanten (für Luxusgüter) im Norden, Gold (für Einkommen)  im Osten, Wälder (für Produktion) im Süden und das Meer (für Nahrung)  im Westen ausmachen. Damit hat unser Dorf die besten Möglichkeiten sich zu entfalten. Für das Wachstum benötigt man genug Nahrung, um Gebäude, die für mehr Nahrung sorgen, braucht man Produktion. Um das ganze in Gang zu halten, braucht man auch noch ein gutes Einkommen. Und schließlich wollen unsere Bürger bei Laune gehalten werden, denn Arbeiten als einzigen Lebensinhalt kann mit der Zeit auch Öde werden.

Haben wir unser Dorf erst einmal gebaut, stürzen Kultur und Forschung auf uns zu, welche für Politiken und Technologien benötigt werden, damit wir nicht immer in der Antike rumhängen müssen.

Hiermit werden wir hineingeworfen in die Möglichkeiten, die uns Civilization V bietet. Wollen wir erforschen, wie wir Keramik anfertigen können, damit wir mit Schreinen unserem Volk Glauben und Hoffnung schenken können? Oder doch lieber mit dem Bergbau unsere Bevölkerung in Minen schicken, damit sie für uns das Gold abbauen und somit für Wohlstand und Produktion sorgen? Natürlich könnten wir ja auch mit der Tierzucht Karawanen ausbilden, die wir dann zu anderen Zivilisationen schicken, die wir mit unseren Kriegern ausspähen können, um erste Kontakte zu knüpfen…

Natürlich will ein Volk auch wohl gelenkt werden. Mit Kultur können wir unser Herrschaftssystem errichten. Unabhängigkeit oder Tradition? Ehre oder Frömmigkeit? Da kann einem Neuling schon ganz schön der Kopf rauchen, da diese Systeme auch noch verschiedene Unterpolitiken haben.

 

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Es geht jedoch auch mal schnell, dass man sich in eine Richtung verrent. Eine Stadt mit vielen Gebäuden die für Produktivität sorgen, nützen nichts ohne Arbeiter, die sie bewirtschaften. Denn für die braucht man mehr Nahrung, die man wieder durch andere Technologien braucht. Ein Mittelmaß zu finden ist oft schwer. Man kann sich ganz auf die Aushebung von Heeren auslegen, doch dann würde die Technologie auf der Strecke bleiben. Dann kann es passieren, dass man auf einmal mit Armbrustschützen gegnerischen Musketieren mit Gewehren gegenübersteht. Umgekehrt: Lege ich alles auf die Produktion von Technologien, kann ich mein Land nicht genug verteidigen, wenn ich nicht auch Einheiten hervorbringe.

Sehen wir uns noch einmal das friedliche Rom an, bevor wir uns den Kriegszeiten zuwidmen.

 

 

Rom2

Erste Felder sind bestellt, Bauarbeiter beginnen den Wald und Pferde zu bewirtschaften. Die Triere, erstes Schiff des Spiels, fährt aus, um neues Land zu entdecken…

Da wir als römisches Reich spielen, haben wir Zugriff auf 2 besondere Einheiten in der Klassik: Die Legion und die Balliste. Während die Ballisten erhöhten Schaden an Städten verursachen können, ist die Legion in der Lage, Straßen zu bauen, um Verbindungen für Nachfolgende Armeen herzurichten. Da Städte nicht so einfach einzunehmen sind, braucht man ein großes Heer und gute Verbindung. Falls die gegnerischen Truppen die eigenen zurückdrängen ist der Kampf schon meist verloren, wenn man nicht für ausreichend Nachschub sorgen kann. Da die Fortbewegungskosten auf Straßen stark verringert sind, bringt die Legion vorteile, da sie sich selbst verteidigen kann, anders als der Bautrupp, der sonst vonnöten wär, Straßen zu errichten.

Haben wir jedoch einmal eine Stadt eingenommen, dürfen wir entscheiden, ob wir sie annektieren wollen, oder eine Marionette erstellen wollen. Der Marionetten Staat bringt uns weniger Unzufriedenheit und agiert selbstständig, dafür werden wir für jeden Marionetten Staat mit extra benötigten Forschungspunkten pro Technologie bestraft.

 

Tenochtilian

 

Haben wir alle Hauptstädte anderer Zivilisationen eingenommen, so ist uns der Herrschaftssieg sicher.

Civ. Sieg

Aber dies ist nur eine Möglichkeit zu siegen. Wähle deinen eigenen Weg, egal ob mit Krieg, Wirtschaft oder Religion, kannst du es schaffen gegen die anderen Zivilisationen zu bestehen? Oder mit den Worten des Erzählers, die wir zu jedem, JEDEM neuem Spiel hören: „könnt ihr eine Zivilisation errichten, die die Zeit überdauern wird?“

 

Fazit

Civilization V macht süchtig. Nach 140 Stunden single- und 30 Stunden Multiplayer Spiel ist es noch kein bisschen Langweilig geworden. Für Anfänger gibt es zwar extra leichte Geschwindigkeitsstufen, doch erschlägt der Umfang doch etwas und man kommt erst nach einigen Runden ins Spiel rein… Und danach nicht mehr davon los.

Den einzigen Minus gibt es in der Kriegsführung. Civilization ist mehr eine Aufbau Reihe. Die einzelnen Einheiten dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig Mann für Mann umbringen ist zwar ganz schön, aber richtiges Kriegsgefühl kommt nicht auf.

Civilization V ist das richtige für jeden Strategie Fan, auch wenn die Grafik zuerst abschrecken mag, ist es doch mehr, als man glauben will.